° Ville de Limbourg °

 

Das mittelalterliche Limburg

 





 




Ein wenig Geschichte

Limburg, reizvoll auf einer felsigen Anhöhe in einer Weserschleife gelegen, hat mit ihrer als uneinnehmbar geltenden Festung im Laufe der Zeit viele Belagerungen erfahren. Nicht die Bequemlichkeit der Bewohner war ausschlaggebend für das Niederlassen der ehemaligen Hauptstadt des Herzogtums Limburg gerade auf diesem höher gelegenen Felsen, sondern rein strategische Gründe. Im Laufe der Geschichte wechselte die Hauptstadt mehrfach ihre Zugehörigkeit. So wurde das Herzogtum 1101 deutsch, kam 1268 an Brabant, 1404 an Burgund, unter Karl V. an Spanien, dann an die Niederlande und ab 1648 im Westfälischen Frieden wieder an Spanien. 1675 musste das Herzogtum eine französische Belagerung durch den Sonnenkönig Ludwig XIV. erleiden, Schloss und Festung wurden gesprengt, bevor das Herzogtum drei Jahre später im Frieden zu Nymwegen erneut an die Spanier abgetreten werden musste. 1701-1703 wieder kurz unter französischer Oberhoheit wurde es in den spanischen Erbfolgekrieg zwischen Frankreich, England und Österreich verwickelt und von den vereinigten Truppen von Prinz Eugen von Marlborough geschlagen. Im Frieden zu Utrecht 1715 wurde das Herzogtum dann Österreich übertragen. Nach der französischen Revolution wurde Limburg dann ein Teil des Departement de l’Ourthe und verlor damit jegliche Autonomie. Im Jahre 1834 schließlich fiel ein Großteil der historischen Bauten einem Großbrand zum Opfer.

Der St. Georg-Platz

Am oberen Platzende befindet sich ein quadratischer Steintisch aus dem 18. Jahrhundert, den damals ein hohes Steinkreuz zierte. Am Ende der Baumallee weisen eine große viereckige Pumpe und ein bereits im Jahr 1510 angelegter tiefer Brunnen auf die Bedeutung der Wasserversorgung innerhalb der Festung hin. Der kleine Platz ist umsäumt von Linden, bekannt als Bäume der Justiz.

Die Häuser am gesamten Marktplatz datieren aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert. Repräsentative Herrschaftshäuser wechseln ab mit bescheidenen Arbeiter- und Künstlerhäusern, wovon einige ihr elegantes Interieur bewahrt haben: Stuckdecken, geschnitzte Täfelungen und Kamine aus rosafarbenem Baelener Marmor.

In den Häusern Nr. 43 und 45 befand sich die alte Herberge „Croix d’Or“, wo im Jahr 1669 der Graf von Medici nächtigte und 1781 Joseph II, Kaiser von Österreich. Das dritte Stockwerk wurde im 19. Jahrhundert hinzugefügt.

Im Stil Ludwig XVI: wurde die besonders schöne Fassade des Hauses Nr. 33 aus Ziegel und marmoriertem Limburger Kalkstein errichtet, im gleichen Stil wie die elegante Eingangstür von Nr. 36.  Sehenswert sind auch die gusseisernen Balkon- und Fenstergitter.

Auf dem unteren Teil des Platzes zeigt der Türsturz von Nr. 22 ein kleines Wappen von 1687. Im Haus Nr. 26 mit seiner kleinen Nische in der Fassade befand sich damals eine weitere Herberge.

L’Arvô

Sehenswert ist das alte Rathaus (Nr.30) mit seiner herrlichen Innenausstattung, ein adäquater Rahmen für die hier von Zeit zu Zeit stattfindenden Ausstellungen zeitgenössischer Künstler. Hier befindet sich außerdem ein prachtvolles Modell der befestigten Stadtanlage aus dem Jahr 1632. Das ARVO ist von Mai bis Oktober geöffnet.

Das zwischen 1681 und 1687 errichtete Gebäude diente dem Adel und den Ständen des Herzogtums als Tagungsort und bis 1703 als Gerichts- und Lehnshof. Der Zugang führt durch einen „arvô“, einen offenen Durchgang. Das steinerne Wappen im Bogen zeigt das Kreuz Burgunds und die Gravur 1681 im oberen Teil des Steines. Die Fenster der oberen Etagen zeigen noch die alten Holkehlen als Fensterstürze. In der Mitte der oberen Fensterreihe befindet sich das Stadtwappen.

Auf einem mächtigen Wappenstein an der Grundmauer ist das älteste Stadtsiegel mit dem Perron, dem Freiheitssymbol, zu erkennen als einziges Zeugnis von dem Rathaus, das sich ehemals in der Mitte des Platzes befand. Dieses bereits 1446 erwähnte Haus diente den Räten der Stadt als Versammlungsort.

Der Muttergottesbrunnen

Nach der Zerstörung durch die Franzosen im Jahre 1675 wurde dieser Brunnen errichtet, der noch heute durch den alten Brunnenschacht des ersten Rathauses gespeist wird.

Im Jahr 1875 schmückten die dankbaren Limburger den Brunnen mit einer Statue für die neun Jahre zuvor überstandenen Choleraepidemie, die große Teile der Bewohner in der Unterstadt dahin rafft. Die aktuelle Statue aus dem Jahr 1960 ist ein Werk von Joseph Gerard de Polleur.

Entdeckungstour über den historischen Platz

Im Süden wird der Platz dominiert vom Schloss Poswick, auch Porte d’Ardennes genannt. Es ist ein neueres Gebäude aus dem Jahr 1910, das sich hervorragend in das Gesamtbild einfügt In der Fassade aus der Zeit des Eklektizismus fallen vor allem die vielen Fenster ins Auge.

Biegen Sie nun bitte nach links ab in die kleine Gasse, die zur Kirche führt.

 

 

Die St. Georgs-Kirche

Die Kirche ist ein mittelalterliches Bauwerk in gotischen Stil von großer Einheitlichkeit. Dagegen sind die Fenster modern. Sie stammen aus dem 18. Jahrhundert, genauso wie die kleinen Altäre der Seitenschiffe. Der Hauptaltar „Unserer lieben Frau im Rosenkranz“ gewidmet, zeigt ein Gemälde der Hl. Anna und der Jungfrau Maria. Die historisch interessantesten Kunstwerke sind ein Sakramentshaus in Form einer Theothek und eine Reihe von Grabsteinen, da nicht weniger als 295 Personen hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

Die Theothek am Choreingang aus dem Jahr 1520 hat die Form eines hohen gotischen dreistöckigen Glockenturmes und reicht fast bis zur Decke. In den wertvollen Schnitzereien ist das Leben Christi dargestellt. Eine Treppe führt in eine Krypta, die manchmal auch als Munitionslager und Archiv genutzt wurde. Am Eingang zur Krypta an der Treppe, steht eine Marienfigur aus fein ziseliertem Messing (15. Jh.). Die Beichtstühle stammen aus der Zeit Ludwig XV. Im hinteren Teil der Kirche kann man ein Gemälde des Malers Damery (17. Jh. – Lütticher Schule) bewundern.

Nach Verlassen der Kirche folgen Sie bitte dem Gässchen rechts bergab.

Dort haben Sie rechter Hand das Haus des Vorstehers, das sich in einem Garten außerhalb der Stadtmauer befand und durch ein altes Tor zu betreten war, wie die lateinische Inschrift auf dem Türsturz anzeigt (Dominus providebit). Am Nordgiebel des letzten Hauses an der linken Seite werden Sie eine Grabplatte und ein altes Kruzifix entdecken. Das ist der einzige Limburger Grabstein mit niederländischer Inschrift. Er erinnert an Anne de Hack, verstorben 1635. Die seitlichen Treppenstufen führen zu einem alten Brunnenschacht.
Sie sind jetzt im unteren Teil des St. Georgs-Platzes angelangt. Dort sehen Sie noch die original erhaltene mittelalterliche Pflasterung mit ungleich großen Steinen aus der Weser.
Die 1713 gepflanzte gewaltige Linde der ehemaligen Burganlage an Unteren Tor ist Zeuge vieler Hinrichtungen geworden. Die Verurteilten verbrachten ihre letzte Nacht in einem kleinen Gefängnis, einer Höhle im Felsen, gegenüber dem fantastischen schmiedeeisernen Gittertor des Schlosses von Andrimont, 1862 errichtet und 1914 durch die Deutschen in Brand gesteckt.
Auf der großen Rasenfläche im Schlosspark erhob sich einst ein mittelalterliches Schloss, 1781 von Joseph II. von Österreich zerstört.
50m weiter bergab steht man vor dem ehemaligen Nordzugang zur befestigten Stadt, der durch zwei viereckige Türme aus dem 19. Jh. gesichert gewesen ist. Sie erinnern an das „desoubtraine Tor“ aus dem 15. Jh. Es bestand aus zwei durch Fachwerk verbundene Türmchen, davor eine Zugbrücke und Graben. Nach einem Plan von 1745 musste man außerdem zwei weitere Tore der ehemaligen Burganlage überwinden, um in die Stadt eindringen zu können. Die ständigen Belagerungen machten solche Befestigungsanlagen erforderlich.

Am Schloss entlang gehen Sie auf der asphaltierten Straße weiter wieder zurück Richtung Obere Stadt.

Am Ende des rechts liegenden Grünstreifens kommen Sie auf der linken Seite an der ehemaligen Herberge „Etoile d’Or“ aus dem Jahr 1639 vorbei, die aus drei ineinander eng verschachtelten Gebäuden besteht.
Etwa 50m weiter zur Linken sehen Sie ein altes Kreuz im Schatten zweier Linden, „arbres Bragard“ genannt.  Hier fand ehemals der wöchentliche Schweinemarkt statt.

Auf dem Verteidigungswall

Einige Meter weiter rechts hinter einer Weggabelung erreichten Sie über einen kleinen, zu Garagen führenden Weg den Verteidigungswall.

Dort am Beginn steht ein Denkmal, das an die „Straße der Menschenrechte“ erinnert.
Dem Weg folgend erblicken Sie Bänke, die im Schatten von Kastanien stehen. Von hier aus haben Sie eine wunderschöne Aussicht über das ganze Tal. Vor Ihnen das aus 22 Bögen bestehende Eisenbahnviadukt über die Weser. Am Horizont kündigen erste hügelige Ausläufer bereits das Plateau von Herve an.

An einer Reihe prächtiger Kastanien entlang kommen Sie zurück zur Oberen Stadt.

In einer Ziegelmauer am Ende versteckt befinden sich die ehemaligen Kassematten, in denen Munition gelagert wurde. Bei gewissen Anlässen sind die Kassematten zu besichtigen.

Gehen Sie bitte nach links weiter.

Beachten Sie dabei besonders die Häuser Nr. 118 und 125. Das linke ist ein niedriges Bruchsteinhaus aus dem 17. Jh., das rechte ist ein bemerkenswertes Gebäude mit einer Fassade aus Ziegel- und Kalkstein aus dem 18. Jh.

Jetzt sind Sie erneut auf dem Platz.

Spaziergang „Hors les Portes“

Sie verlassen den oberen Teil des St. Georgs-Platzes durch das Obere Tor, die Porte d’Ardennes, die verwundbare Stelle der ehemaligen befestigten Stadt. Sie folgen der Straße „Hors les Portes“ (rechts ab) und gehen entlang der Mauer auf der linken Seite weiter bis zu deren Ende. Zwischen der Mauer und der Wiese führt nach links ein kleiner Weg, in den Sie einbiegen. Auf der rechten Seite dieses Weges können Sie noch die alten Verteidigungsgräben erkennen. An der folgenden T-Kreuzung halten Sie sich rechts und biegen nach etwa 200m an einer zweiten T-Kreuzung nach links ab.

Nach 150 Metern erblicken Sie das Schloss, heute Internat der französischen Gemeinschaft. Der herrliche Schlosspark enthält eine Vielzahl seltener Bäume. Ihr Spaziergang führt Sie vom Schloss weg auf dem seit 1774 nach Goe führenden Weg zum Bauernhof „de la Petite Halloux“ mit einer prachtvollen harmonischen Fassade aus Ziegel und rosa Kalkstein. Dort biegen Sie rechts ab und gehen auf der asphaltierten Straße weiter bis zu der hinter zwei Linden versteckten Kapelle St. Anna, einem kleinen achteckigen Gotteshaus von 1774, im Jahr 1947 restauriert. Links runter an der Straße erblicken sie den Hof „de la Grande Halloux“, bereits 1646 erwähnt, eine um eine Innenhof herumgebaute mehrteilige Hofanlage mit einem bemerkenswerten Eingangsportal.

Rechts runter, die asphaltierte Hauptstraße entlang, führt der Weg zurück zum Platz von Limburg, den Sie nach etwa 1km erreichen.

Wenn Sie Ihren Spaziergang noch um etwa 5km verlängern möchten, dann überqueren Sie die Kreuzung und folgen Sie der Straße, die rechts an der kleinen Betkapelle vorbeiführt, geradeaus.  Sie befinden sich jetzt auf der alten Straße nach Verviers, die zum „Hof Comagnes“ führt, einer weitläufigen Anlage mit Festungscharakter. Benannt wurde er nach den sog. „Comagnes“. So nannte man in alten Zeiten öffentliche Wiesen, die Eigentum der Gemeinde waren und für Schafhaltung genutzt wurden. Etwas weiter vorn, links vor Ihnen können Sie die Wasseraufbereitungsanlage des Gileppe-Wassers in Stembert erkennen. Sie kommen dann an einer Pferdekoppel (rechts) vorbei und erreichen nach einigen Metern erneut eine Wegegabelung 300m danach biegen Sie bitte nach rechts in die asphaltierte Straße ein, die in einen nicht asphaltierten Hohlweg übergeht. (Feste Schuhe ratsam). Nach etwas mehr als 2km, immer der Hauptstraße folgend, sind Sie erneut am St. Georgs-Platz.